Die einzelnen Epochen der Schützenbruderschaft Ippinghausen

Inhaltsverzeichnis

Die Brüderschaft Ippinghausen von 1745 bis 1749

Durch die zahlreichen Eintragungen im ersten Schützenbuch können wir heute sagen, dass die Gründung der „Ersten Schützenbrüderschafft zu Ippinghausen“ großen Anklang bei der Bevölkerung im Ort fand.
Über alle Berufsgruppen und Ansehen hinweg trat man der Bruderschaft bei, ob Bauern, Handwerker, Pfarrer oder der Dorflehrer.
In der ersten genau 59 Männer und in der zweiten 40 Männer in den jeweiligen Gründungsjahren.

Die beiden Ippinghäuser Bruderschaften von 1749 bis 1820

Da die Eintragungen in beiden Büchern regelmäßig und oft erfolgten und auch viele Namen notiert wurden, ist zu vermerken, dass um das Jahr 1760/1770 ca. 120 Männer in beiden Bruderschaften aufgestellt waren.

Dies ist eine beachtliche Zahl denn unser Ort zählte seinerzeit ca. 350 – 400 Einwohner.
Zum Vergleich heute bei ca. 1200 Einwohnern lediglich 140 Mitglieder.

Feste und Darlehenskassen

Von den damals stattgefunden Festen sind nur vereinzelt Abrechnungen vorhanden, die fast ausschließlich im Buch der zweiten Bruderschaft eingetragen sind.
Während im Buch der ersten Bruderschaft die ausgeliehenen Capitalia eine wichtige Rolle gespielt haben.

Man könnte also den Eindruck gewinnen, als ob die erste Bruderschaft die Funktion einer Darlehenskasse übernommen hatte und die zweite sich eher dem Feiern und Präsentieren widmete. Allerdings sind wie schon erwähnt auch Aufzeichnungen über Feste der ersten Bruderschaft sowie Versteigerungen von der Fahne und zur Ernennung von Stellen vorhanden sowie die Aussprache und Festlegung von Strafgeldern.

Strafgelder und Gebote

So heißt es z. B. 1756 „nachfolgende Personen sind wegen Ungehorsam zur Strafe erkannt, aber nicht können beigetrieben werden, welche deswegen auf künftiges Jahr 1757 zur Lequidation gesetzt werden: Lorenz Hüme 4 albus, Meister Samuel Müller 2 albus.

Oder: „Weilen die Herren Schützenmeister den ersten Abend nicht mit der Fahne nach Hause gegangen, habe deswegen Strafe gegeben 4 albus (1767), Oder: „Der J. N. sich an denen Vorgesetzten vergreifen wollen, ist deswegen gestraft 1 albus (1790). Im Jahre 1966 heißt es „Der Herr Fähnrich Haase 1 Reichstaler und 14 albus“ und besagt die Summe des gezahlten Fähnrichsamtes.

Oder im Jahre 1780 „Der Müller Lorenz Klapp hat aufs höchste Gebot in Ansehnung der Fahne 1 Reichstaler und 5 albus gezahlt“.
Die niedrigsten Gebote finden wir in den Jahren 1804/1805 mit 8 albus und 1808/1809 mit 9 albus. Sie spiegeln die wirtschaftliche Not der Bevölkerung in der Franzosenzeit wieder.

Die Eintragungen neuer Mitglieder im ersten Buch endet ebenfalls in diesen Jahren und ab 1820 tritt zur Amtsversteigerung eine zweite Merkwürdigkeit hinzu: Zwei Fahnen werden nun jährlich versteigert.
So ist also anzunehmen, dass sich die zwei Bruderschaften zu diesem Zeitpunkt vereinigten.

Von der Johannisbruderschaft zur Totenkassenbruderschaft von 1820 bis 1844

In die Zeit nach der Vereinigung der beiden Bruderschaften, fällt die Besinnung hin zur stärkeren Ausprägung der Brüderlichkeit im Rahmen der so genannten Johannisbruderschaft.

Aus diesem Zeitraum sind diverse Hilfeleistungen der Bruderschaft für einzelne in Not geratene Schützenbrüder aber auch an deren Angehörige verzeichnet.
Obwohl die gegenseitige Hilfeleistung auch schon ein Grundsatz bei der Gründung war, befasste man sich nun intensiver damit.
Man schaffte sich im Rahmen der Bruderschaft neue Leichentücher an (Große schwarze Tücher, die über die einfachen Särge gedeckt wurden) die mit handbesticktem versehen wurden.
Darüber hinaus versuchte man nach den Grundsätzen Johannes des Täufers, also streng nach biblischen Werten zu leben, wie es bereits 1765 gefordert wurde.
Zu kurz kam hierbei allerdings auch nicht das Schützenfest, welches in diesen Jahren zwar unregelmäßiger gefeiert wurde aber es wurde abgehalten.
Darüber Auskunft geben zahlreiche Listen, die in die Schützenbücher integriert sind, wer wann am Schützenfest teilnahm.

Von der Totenkassenbruderschaft zum Schützenverein „Bruderschaft“ Ippinghausen von 1844 bis 1871

Im Jahre 1844 gab sich die Bruderschaft einen neuen Namen, nämlich Totenkassenbruderschaft.
Gleichzeitig wurde eine Totenkasse gegründet sowie die Totenkassenordnung von 1844 verfasst (siehe Totenkassenordnung).

In diesen Jahren zahlen jeder der 79 Schützenbrüder sowie 5 Witwen eine Einlage von 24 Albus in die Totenkasse ein.
Der Ippinghäuser Bürgermeister Pfeifferling führt die Rechnung über Einnahme und Ausgabe und ist gleichzeitig Kastenmeister, bei dem die „Leichensteuer“ abgeliefert wird.

Bei jedem Todesfall zahlt jedes Mitglied 2 Sgr. Leichensteuer, Witwen 1 Sgr. Die 79 Mitglieder der Totenbruderschaft wurden in 7 Rotten eingeteilt, jeder Rotte steht ein Bruderschaftsrottmeister vor, dessen Aufgabe es war:
1. Seine Rotte bei einem Todesfall zur Leiche zu bestellen,
2. Darauf zu achten, dass sie auf der Leiche gehörig erscheinen,
3. Die Sgr. Leichensteuer einzunehmen und binnen 8 Tagen an die Kasse abzuliefern. (Auszug aus der Totenkassenordnung von 1844)

Auch während dieses Zeitraumes werden Listen der Schützenbrüder geführt, die am Schützenfest teilnahmen.

Die Bruderschaft bis zum ersten Weltkrieg 1871 bis 1914

Nach den gewonnenen Deutschen Einigungskriegen fand auch in der Bruderschaft Ippinghausen ein Umdenken statt.
Dieser spiegelte sich in erster Linie in einem neuen Selbstbewusstsein (Einführung der Versteigerung des Hauptmannpostens sowie Umbenennung der Stelle von Capitain zum Hauptmann) der Bruderschaft wieder sowie in der Tatsache, dass viele neue Personen in die Bruderschaft eintraten.

Des weiteren ritt nun der Hauptmann und sein Adjutant hoch zu Ross und führte somit die Schützenkompanie an. Die Bruderschaft nannte sich nun Schützenverein Bruderschaft 1745 Ippinghausen.
Zwei alte Fahnen aus dieser Zeit, die im Schützenraum ihren Platz gefunden haben, zeugen noch von dieser Aufbruchszeit.

Das Schützenfest wurde nun regelmäßig gefeiert.
Jedes Jahr sind Abrechnungen von 1873 – 1914 vorhanden.
Das erste Foto der Bruderschaft entstand zum Schützenfest 1913 vor der damaligen Gastwirtschaft Müller.
Das letzte Schützenfest wird im Mai 1914 abgehalten.

Exkurs:
In diese Zeit (1878) fällt auch die Gründung des Kriegervereins Ippinghausen, von dem noch eine sehr gut erhaltene und erst im Jahre 2000/2001 wiedergefundene Vereinsfahne existiert. Diese ist in der Gaststätte Hasenmühle zu bewundern.

Die Bruderschaft zwischen den Kriegen

Nach Beendigung des ersten Weltkrieges, bei dem auch zahlreiche Schützenbrüder ihr Leben ließen, wurde erst wieder 1920 ein Schützenfest im kleineren Rahmen abgehalten und zwar im Saal der Gastwirtschaft Schwedes.

Im Jahre 1920/21 traten auch mehrere Bürger der Bruderschaft bei und so konnten die Lücken die der Krieg hinterlassen hatte, einigermaßen geschlossen werden.
Eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1920 nennt 25 Schützenbrüder die am Schützenfest teilnahmen.

Bis 1933 wurde das Schützenfest regelmäßig gefeiert und auch genaue Verhandlungen mit den Festwirten und Kapellen geführt, so dass auch die Bruderschaftskasse verbessert werden konnte. Von 1936 bis 1939 (letztes Schützenfest vor dem zweiten Weltkrieg) wurden die Feierlichkeiten wieder aufgenommen.

Die Schützenbruderschaft nach dem zweiten Weltkrieg

Erst im Jahre 1949 wurde durch den alten Hauptmann und dem alten Bataillonsschreiber wurde das Fest unter neuen Vorzeichen wieder ins Leben gerufen.
In diesen Jahren traten ca. 40 Ippinghäuser Bürger der Bruderschaft bei.
Gefeiert wurde seither ohne Gewehre und auch manche alten Traditionen, wie z. B. das selbst gebraute Warmbier verloren nach und nach an Bedeutung.
Ab ca. 1967 wurden auch die Pferde für den Hauptmann und den Adjutanten abgeschafft, da fast keiner mehr reiten konnte und die Sache wegen des hohen Autoverkehrs sicherlich zu gefährlich war.

Erst ab ca. 1960 marschiert die Bruderschaft in den grünen Uniformen vorher in gut bürgerlicher Kleidung.
Durch die jährlichen Aufzeichnungen von 4 Bataillonsschreibern die teilweise über 25 Jahre tätig waren sind Jahres-Protokolle ab ca. 1920 geführt worden, die nicht nur über das Schützenfest berichten sondern auch eine Menge anderer Dinge z. B. aus der Dorfgeschichte oder über Preise und Wetterlage.

Ab 1987 wurden, warum auch immer, keine regelmäßigen Eintragungen mehr vorgenommen.
Dies wurde im Jahre 1995 durch den damaligen Hauptmann, bis 1995/1996 nachgetragen.
Ab 2002 werden die Bücher vom neuen Schriftführer geführt und nachgetragen (Auch die Jahre von 1996 – 2002).

Im Jahre 1995 konnte erstmals ein Jubiläumsschützenfest richtig gefeiert werden (siehe hierzu Festschrift), das 250. te. 1945 war das Fest zum 200 Jährigen Bestehen ausgefallen.

Die Neuerungen der Bruderschaft seit 1995

Wie oben bereits erwähnt, muss die Bruderschaft mit der Zeit gehen und nicht umgekehrt.
Daher sind in den letzten Jahren diverse Maßnahmen ergriffen worden, die darauf abzielen, die Bruderschaft im alten Kern zu erhalten aber gleichzeitig für die Zukunft zu wappnen.

Hier einige wichtige Punkte dazu:
-Verlegung des Schützenfestes von ursprünglich Sonntag bis Dienstag auf Samstag bis Montag (jeweils zu Pfingsten)
-Einführung von regelmäßigen Vorstandssitzungen (historischer sowie geschäftsführender Vorstand)‘
-Einführung einer Formalordnung
-Einführung einer Ämterordnung
-Wiederbelebung der Strafordnung –
Wiederbelebung von alten Traditionen, wie Vorlesen der Mitgliederliste mit Anwesenheitskontrolle, Einschreibegebühr.
-Feste in Eigenbewirtung bzw. mit befreundeten örtlichen Vereinen durchführen.

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